Tier-Kommunikation

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Irgendwie muss ich eine sadistische Ader haben, denn ich habe mir mal wieder was im Fernsehen reingezogen, wo ich mich letztendlich fragen musste: „Junge, warum quälst du dich so?“

Es ging um eine Dokumentation über Tierärzte/Nottierärzte, Tierpsychiater und eine Dame, die sich den Namen: „Tier-Kommunikation“ selbst auf den Leib geschrieben hat. Und genau diese Dame hat sich nun mit allem was sie zu bieten hat (oder eben auch nicht) dem Sender zur Verfügung gestellt, um ihren fragwürdigen Bekanntheitsgrad mal so tüchtig aufzumöbeln. Ihre Behauptung, die Tiere würden mit ihr kommunizieren, rief tatsächlich einige Gläubige auf den Plan und sie suchten händeringend ihre Hilfe, weil sie mit ihren Haustieren nicht klar kämen. Bereitwillig und selbstlos wurden jene aufgesucht und „natürlich“ ohne zu erwähnen, was so eine wundersame Gesprächsstunde kostet, machte die besagte Dame sich ans himmlische Werk. Zuerst musste Zorro, das „verängstigte“ Pferd dran glauben. Sie stellte sich mit geschlossenen Augen neben das Tier, hielt einen Schreibblock in der einen und einen Stift in der anderen Hand und kritzelte darauf los, als wäre sie selbst vom Hafer gestochen worden. Und Zorro erzählte… erzählte …. und erzählte!

Hier an dieser Stelle hatte ich Tränen der Scham in den Augen, denn ich kam mir dumm, unsensibel und unfähig vor, weil ich von alledem nichts mitbekam. Ich hörte kein Wiehern oder Schnauben. Ja, ich konnte noch nicht einmal feststellen, dass der Hengst sie nur eines Blicke würdigte.

Ihr Bericht fiel dennoch dementsprechend lang aus. Zorro hätte sich über den schlechten Zustand seiner Zähne beklagt, hätte von seinem Vorbesitzer, einem österreichischem Pferdekutscher, geschwärmt und seine Ängstlichkeit damit begründet, dass er sich vor Jahren einmal erschrocken hätte, weil hinter ihm ein Stück Wellblech heruntergefallen sei und er darauf nicht vorbereitet war.

So weit, so gut. Das mit dem Blech und dem Vorbesitzer konnte man nun nicht mehr ändern, aber dass mit den Zähnen musste „sofort“ in Angriff genommen werden. So entschied es die Besitzerin und es wurde auch dementsprechend umgesetzt. Das Pferd wurde also in den Hänger katapultiert und mit Acho und Karacho zum nächsten Tierarzt transportiert. Dessen Diagnose: „Pferdegebiss in einwandfreiem Zustand!“ Da lachte die beherzte Kommunikations-Dame und stellte erleichtert fest: „Da hat mich Zorro aber ganz schön angeflunkert!“

Zweiter Fall!

Dieselbige (schein)heilige Dame wurde zu einer weiteren Tierfreundin beordert, deren tierische Mitbewohner, zwei Katzen und eine Ratte namens Otto, war. Otto litt unter einer Psychose! Otto kratze sich immer wieder an derselben Stelle hinter dem Ohr. Und Otto blutete. Otto hatte Sorgen. Nur welche, die sollte er nun „endlich“ aussprechen dürfen.

Während die beiden Katzen neugierig, aber ausgesperrt, durch die Balkontür glotzten und das Geschehen und selbstverständlich Otto nicht aus den Augen verloren, ließ sich die Dame, wieder bewaffnet mit Papier und Stift, von dem Langschwanz erzählen, was ihn bewegte und worunter er litt. Die Diagnose war eindeutig: „Otto mochte es nicht, von den beiden Katzen beobachtet zu werden…. das mache ihn ganz nervös, kirre und psychisch fertig! Und……… Otto bestand vehement auf eine Lebensabschnittsgefährtin!

Gesagt, getan….. der Wunsch wurde ihm erfüllt!!!

Bei dem einwöchigen „Nachbetreuungsbesuch“ der besagten Dame, stellte die Hausherrin den neuen Mitbewohner aus dem örtlichen Tierheim vor. „Sie“ hieß OSCAR und war ein „Er!“ Oscar passe so wunderbar zu Otto, weil er den selben Dachschaden hat wie er, nur mit der Ausnahme, dass er sich nicht hinterm Ohr, sondern nur seinen Schenkel blutig kratzt. Aus diesem, und nur aus diesem Grund hatte sie sich für ihn entschieden, berichtete sie stolz, und man merkte ihr an, dass sie geradezu vor Großherzigkeit und Tierliebe nur so triefte. Dass nun Otto auch noch obendrein einen Rivalen bekam, schien ihr gar nicht bewusst zu sein.

Spätestens hier musste ich mich abermals fragen, ob ich meinem unwürdigen und nichtsnutzigem Leben durch Harakiri ein Ende setzen sollte, denn wer diese einfachen Dinge des Lebens nicht versteht, hat kein Recht auf dieser Welt zu verweilen. Irgendetwas muss ich falsch gemacht haben. Wenn ich das vorher gewusst hätte, wie leicht man an die lebensnotwendige Knete kommt, hätte ich rechtzeitig meinen Beruf gewechselt.

Diese Leute, die sich solche Scharlatane ins Haus holen, brauchen selbst dringend Hilfe. Nicht dass sie taub wären, aber deren eigener Schaden „muss“ sich zwangsläufig irgendwo „zwischen“ den Ohren abspielen.

Wenn ihr längere Zeit von mir nichts hören solltet, macht euch keine Sorgen. Ich habe seit gestern meine Berufung gefunden! Ich stelle jetzt „telepatische Ferndiagnosen“….. und zwar vom Bett aus! Und das geht folgendermaßen vor sich! Ich spreche mit meinem „Patienten“ per Telefon, schließe meine Augen, konzentriere mich auf dessen Probleme, hole tief Luft und falle in Trance.

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Einen kleinen Haken hat aber die ganze Angelegenheit. Es hat sich herausgestellt, dass ich nicht in Trance falle, sondern in Ohnmacht! Das mag daran liegen, dass ich immer wieder vergesse auszuatmen. Aber wie sagt man so schön: „Übung macht den Meister!“ Meine Frau hat sich jedenfalls bereiterklärt, mir zu assistieren, denn schließlich muss mir ja jemand dass Essen ans Bett bringen und den Telefonhörer halten!

„OMMMMMMMMMM!“

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